SLS vs. SLM: 3D-Druckverfahren für Kunststoff und Metall einfach erklärt
Wer sich in den 3D-Druck einliest, stolpert schnell über Abkürzungen: FDM, SLA, SLS, SLM. Das sind unterschiedliche 3D-Druckverfahren – und nur eines davon läuft auf den Geräten, die du für zu Hause kaufen kannst. Hier erfährst du, was hinter SLS und SLM steckt, was ein 3D-Druckservice dafür verlangt und ob sich für dich überhaupt ein Blick über den Tellerrand lohnt.
Kurz zusammengefasst
- SLS (selektives Lasersintern) druckt Kunststoffpulver, vor allem Nylon. SLM (selektives Laserschmelzen) schmilzt Metallpulver komplett auf.
- Beide Verfahren sind Industrietechnik: Für zu Hause kommen FDM- oder Resin-Drucker infrage. SLS- und SLM-Teile bekommst du über einen Druckservice.
- Für die meisten Einsteiger-Projekte reicht ein FDM-Drucker für ein paar Hundert Euro. Ein Service lohnt sich bei Metallteilen oder wenn du ein einzelnes, besonders belastbares Kunststoffteil brauchst.
Welche 3D-Druckverfahren gibt es?
Alle Verfahren bauen Objekte Schicht für Schicht auf. Unterschiede gibt es beim Material und bei der Art, wie die Schichten entstehen:
| Verfahren | Material | So entsteht ein Teil | Für zu Hause? |
|---|---|---|---|
| FDM (Schmelzschichtung) | Kunststofffaden (PLA, PETG, ABS …) | Düse trägt geschmolzenen Kunststoff auf | Ja – Einstiegsgeräte ab rund 170 € |
| SLA / Resin | Flüssigharz | UV-Licht härtet das Harz aus | Ja, mit Aufwand – ab rund 210 € (Resin vs. FDM) |
| SLS | Kunststoffpulver (meist Nylon) | Laser verschmilzt Pulver Schicht für Schicht | Nein, industrielle Geräte |
| SLM | Metallpulver | Laser schmilzt Metallpulver vollständig | Nein, industrielle Geräte |
Die Preise für FDM und Resin stammen aus unserer Druckerdatenbank (Stand Oktober 2026). Für SLS und SLM nennen wir keine Gerätepreise – sie liegen im gewerblichen Bereich und sind für Privatpersonen nicht relevant.
So funktioniert SLS
Beim selektiven Lasersintern (SLS) liegt eine dünne Schicht Kunststoffpulver in einer Kammer. Ein Laser erwärmt genau die Stellen, die zum Bauteil gehören, bis die Pulverkörner an der Oberfläche verschmelzen („sintern“). Dann senkt sich die Bauplattform, eine neue Pulverschicht wird aufgetragen, und der Vorgang wiederholt sich. Am Ende wird das fertige Teil aus dem Pulverbett geholt und gereinigt.
- Kein Stützmaterial nötig: Das umgebende Pulver trägt das Teil. Dadurch sind verschachtelte Formen, Hohlräume und bewegliche Baugruppen möglich.
- Typische Materialien: Nylon (PA12, PA11), glasgefülltes Nylon und andere verstärkte Pulver.
- Oberfläche: leicht körnig, ähnlich feinem Sandpapier. Üblich sind Sandstrahlen, Trommeln oder Einfärben.
So funktioniert SLM
Beim selektiven Laserschmelzen (SLM) läuft derselbe Grundgedanke mit Metallpulver. Der Laser schmilzt das Pulver an den gewünschten Stellen vollständig auf, es entsteht ein dichtes, fest verbundenes Metallteil. Weil dabei hohe Temperaturen und Spannungen entstehen, kommen zusätzliche Aufgaben dazu:
- Stützstrukturen: Sie verankern das Teil und leiten Wärme ab, damit es sich nicht verzieht. Sie müssen nachher entfernt werden.
- Typische Materialien: Edelstahl (zum Beispiel 316L), Aluminiumlegierungen, Titan und Werkzeugstähle.
- Nachbearbeitung: Je nach Anforderung Wärmebehandlung, Fräsen, Schleifen oder Polieren – die rohe Oberfläche ist rauer als bei SLS.
SLS und SLM im direkten Vergleich
| Merkmal | SLS | SLM |
|---|---|---|
| Material | Kunststoffpulver (meist Nylon) | Metallpulver |
| Vorgang | Sintern: Körner verschmelzen an der Oberfläche | Schmelzen: vollständige Verbindung |
| Stützstrukturen | Meist nicht nötig | Meist nötig |
| Dichte | Gut, Oberfläche leicht porös | Sehr hoch, nahezu massiv |
| Hitzebeständigkeit | Hängt vom Kunststoff ab | Hoch, hängt von der Legierung ab |
| Nachbearbeitung | Strahlen, Trommeln, Einfärben | Stützen entfernen, Wärmebehandlung, Fräsen, Polieren |
| Kosten | Im Vergleich niedriger | Im Vergleich deutlich höher |
Das sind Tendenzen, keine festen Regeln. Wie stabil ein Teil am Ende ist, hängt von Material, Ausrichtung, Wandstärke und Nachbearbeitung ab – eine pauschale „SLM ist stärker“-Aussage gibt es nicht, weil du Kunststoff und Metall ohnehin nicht gegeneinander tauschen kannst.
Was kostet ein Teil aus SLS oder SLM?
Feste Preise nennen wir bewusst nicht: Sie hängen stark vom Anbieter, von der Größe und von der Stückzahl ab. Aber du kannst die Kostentreiber einschätzen:
| Kostenfaktor | SLS (Kunststoff) | SLM (Metall) |
|---|---|---|
| Material | Günstiges Pulver | Teures Metallpulver |
| Maschinenzeit | Mehrere Teile gleichzeitig im Pulverbett | Oft längere Bauzeiten, Schutzgas nötig |
| Stützen | Keine | Müssen konstruiert und entfernt werden |
| Nacharbeit | Gering bis mittel | Oft aufwendig (Wärmebehandlung, Fräsen) |
Vergleiche immer den Gesamtpreis inklusive Nachbearbeitung und Versand. Für ein einzelnes Kunststoffteil ist ein Service oft günstiger als die Anschaffung eines eigenen Geräts – bei Metall ist er ohnehin der einzige realistische Weg.
Kann ich Metall zu Hause drucken?
Die kurze Antwort: nicht im Sinne von SLM. Wer nach einem „3D-Drucker für Metall“ sucht, hat drei Möglichkeiten:
- Druckservice nutzen: Du lädst dein 3D-Modell hoch und bekommst das fertige Metallteil zugeschickt. Das ist der gängige Weg für Hobby und Kleinserien.
- Metall-Look-Filament: PLA oder PETG mit Metallpulver sieht metallisch aus und fühlt sich schwerer an, bleibt aber überwiegend Kunststoff. Gut für Deko, nicht für belastete Teile.
- Gussverfahren: Du druckst ein Modell aus Resin, das eine Gießerei als Form für den Metallguss nutzt. Das ist ein spezielles Verfahren und kein Anfänger-Projekt.
Wann lohnt ein Druckservice, wann der eigene Drucker?
| Deine Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Du willst Figuren, Halterungen und Ersatzteile aus Kunststoff | Eigener FDM-Drucker – siehe Bestenliste 2026 |
| Du brauchst hitzefeste Teile aus ABS, ASA oder PC | Geschlossener Drucker, siehe 3D-Drucker für ABS, ASA und PC |
| Du brauchst sehr feine Details, zum Beispiel für Miniaturen | Resin-Drucker oder Service, siehe Resin vs. FDM |
| Du brauchst ein einzelnes Metallteil | Druckservice für Metall |
| Du brauchst viele stabile Kunststoffteile mit komplexer Form | Druckservice (SLS) im Vergleich zum Eigenkauf prüfen |
| Du bist am Anfang und weißt noch nicht, was du druckst | Starte mit einem FDM-Drucker, siehe Der erste 3D-Drucker |
Worauf du bei einem Druckservice achten solltest
- Bauteilgröße und Wandstärke: Jeder Anbieter nennt Mindestwerte. Als Beispiel nennt ein Dienstleister rund 1,0 mm Wandstärke bei SLS und 1,5 mm bei SLM; andere Anbieter weichen ab.
- Toleranzen: Plane Spiel für Passungen ein. Ein Beispielwert aus den Richtlinien eines Anbieters ist ±0,3 mm bei Teilen bis 100 mm. Prüfe die Angaben deines Anbieters.
- Pulver entfernen: Bei SLS müssen geschlossene Hohlräume Öffnungen haben, damit das Pulver herausrieselt.
- Nachbearbeitung: Klär vorab, ob Färben, Glätten oder bei Metall ein Fräsen der Passflächen nötig ist.
- Lieferzeit und Preis: Hol dir bei mehreren Anbietern ein Angebot ein, bevor du bestellst.
Sechs Fragen für die Verfahrenswahl
- Material: Kunststoff oder Metall?
- Belastung: Wie viel Kraft muss das Teil aushalten?
- Temperatur: Wo und wie heiß wird es eingesetzt?
- Form: Gibt es Hohlräume, Überhänge oder bewegliche Teile?
- Nacharbeit: Muss das Teil noch bearbeitet oder lackiert werden?
- Gesamtkosten: Was kostet das fertige Teil inklusive Nacharbeit und Versand?
Wenn Kunststoff reicht und die Form einfach ist, ist FDM meist die günstigste Lösung. Für feine Details kommt Resin infrage, für Metall bleibt der Service.
Häufige Fragen zu SLS und SLM
Was ist der Unterschied zwischen SLS und SLM?
SLS verarbeitet Kunststoffpulver und verschmilzt es per Laser (sintern). SLM schmilzt Metallpulver vollständig auf. Beide arbeiten im Pulverbett Schicht für Schicht.
Ist ein SLM-Teil stabiler als ein SLS-Teil?
Metall ist grundsätzlich fester und hitzebeständiger als Kunststoff. Entscheidend ist aber das konkrete Material und die Nachbearbeitung. Für viele Anwendungen reicht ein SLS-Teil aus Nylon völlig aus.
Was ist DMLS?
DMLS steht für direktes Metall-Lasersintern und beschreibt ein sehr ähnliches Verfahren wie SLM. Die Begriffe werden je nach Hersteller unterschiedlich verwendet.
Kann ich SLS oder SLM zu Hause nutzen?
Nein. Die Geräte sind industriell und verlangen Schutzgas, Pulverhandling und Sicherheitsmaßnahmen. Für zu Hause nutzt du FDM oder Resin; SLS- und SLM-Teile bestellst du bei einem Druckservice.
Welches Verfahren ist für Prototypen am besten?
Für einfache Prototypen reicht FDM, für feine Details Resin. SLS eignet sich für belastbare Kunststoff-Prototypen mit komplexen Formen, SLM für funktionale Metallteile.
Quellen und Weiterführendes
- Resin vs. FDM: Welcher 3D-Drucker-Typ passt zu dir?
- PLA vs. PETG vs. ABS
- Bestenliste 2026 und 3D-Drucker-Berater
Anregung für die Gliederung lieferte unter anderem ein englischsprachiger Ratgeber des Druckdienstleisters JLC3DP. Wir betreiben selbst keinen Druckservice; Beispielwerte zu Toleranzen und Wandstärken stammen von einem Dienstleister und sind keine allgemeingültigen Normen.