SLS vs. SLM: 3D-Druckverfahren für Kunststoff und Metall einfach erklärt

15. Oktober 2026 · 11 Min. Lesezeit

Jonas ReiterJonas ReiterRedakteur für Technik, Materialien & Wartung

Wer sich in den 3D-Druck einliest, stolpert schnell über Abkürzungen: FDM, SLA, SLS, SLM. Das sind unterschiedliche 3D-Druckverfahren – und nur eines davon läuft auf den Geräten, die du für zu Hause kaufen kannst. Hier erfährst du, was hinter SLS und SLM steckt, was ein 3D-Druckservice dafür verlangt und ob sich für dich überhaupt ein Blick über den Tellerrand lohnt.

Kurz zusammengefasst

Welche 3D-Druckverfahren gibt es?

Alle Verfahren bauen Objekte Schicht für Schicht auf. Unterschiede gibt es beim Material und bei der Art, wie die Schichten entstehen:

VerfahrenMaterialSo entsteht ein TeilFür zu Hause?
FDM (Schmelzschichtung)Kunststofffaden (PLA, PETG, ABS …)Düse trägt geschmolzenen Kunststoff aufJa – Einstiegsgeräte ab rund 170 €
SLA / ResinFlüssigharzUV-Licht härtet das Harz ausJa, mit Aufwand – ab rund 210 € (Resin vs. FDM)
SLSKunststoffpulver (meist Nylon)Laser verschmilzt Pulver Schicht für SchichtNein, industrielle Geräte
SLMMetallpulverLaser schmilzt Metallpulver vollständigNein, industrielle Geräte

Die Preise für FDM und Resin stammen aus unserer Druckerdatenbank (Stand Oktober 2026). Für SLS und SLM nennen wir keine Gerätepreise – sie liegen im gewerblichen Bereich und sind für Privatpersonen nicht relevant.

So funktioniert SLS

Beim selektiven Lasersintern (SLS) liegt eine dünne Schicht Kunststoffpulver in einer Kammer. Ein Laser erwärmt genau die Stellen, die zum Bauteil gehören, bis die Pulverkörner an der Oberfläche verschmelzen („sintern“). Dann senkt sich die Bauplattform, eine neue Pulverschicht wird aufgetragen, und der Vorgang wiederholt sich. Am Ende wird das fertige Teil aus dem Pulverbett geholt und gereinigt.

So funktioniert SLM

Beim selektiven Laserschmelzen (SLM) läuft derselbe Grundgedanke mit Metallpulver. Der Laser schmilzt das Pulver an den gewünschten Stellen vollständig auf, es entsteht ein dichtes, fest verbundenes Metallteil. Weil dabei hohe Temperaturen und Spannungen entstehen, kommen zusätzliche Aufgaben dazu:

Begriffe im Wirrwarr: Du liest auch DMLS (Direktes Metall-Lasersintern) und LPBF (Laser Powder Bed Fusion). Beide beschreiben technisch sehr ähnliche Metallverfahren – Hersteller verwenden die Namen unterschiedlich. Wichtiger als das Kürzel sind Material und Parameter im Angebot.

SLS und SLM im direkten Vergleich

MerkmalSLSSLM
MaterialKunststoffpulver (meist Nylon)Metallpulver
VorgangSintern: Körner verschmelzen an der OberflächeSchmelzen: vollständige Verbindung
StützstrukturenMeist nicht nötigMeist nötig
DichteGut, Oberfläche leicht porösSehr hoch, nahezu massiv
HitzebeständigkeitHängt vom Kunststoff abHoch, hängt von der Legierung ab
NachbearbeitungStrahlen, Trommeln, EinfärbenStützen entfernen, Wärmebehandlung, Fräsen, Polieren
KostenIm Vergleich niedrigerIm Vergleich deutlich höher

Das sind Tendenzen, keine festen Regeln. Wie stabil ein Teil am Ende ist, hängt von Material, Ausrichtung, Wandstärke und Nachbearbeitung ab – eine pauschale „SLM ist stärker“-Aussage gibt es nicht, weil du Kunststoff und Metall ohnehin nicht gegeneinander tauschen kannst.

Was kostet ein Teil aus SLS oder SLM?

Feste Preise nennen wir bewusst nicht: Sie hängen stark vom Anbieter, von der Größe und von der Stückzahl ab. Aber du kannst die Kostentreiber einschätzen:

KostenfaktorSLS (Kunststoff)SLM (Metall)
MaterialGünstiges PulverTeures Metallpulver
MaschinenzeitMehrere Teile gleichzeitig im PulverbettOft längere Bauzeiten, Schutzgas nötig
StützenKeineMüssen konstruiert und entfernt werden
NacharbeitGering bis mittelOft aufwendig (Wärmebehandlung, Fräsen)

Vergleiche immer den Gesamtpreis inklusive Nachbearbeitung und Versand. Für ein einzelnes Kunststoffteil ist ein Service oft günstiger als die Anschaffung eines eigenen Geräts – bei Metall ist er ohnehin der einzige realistische Weg.

Kann ich Metall zu Hause drucken?

Die kurze Antwort: nicht im Sinne von SLM. Wer nach einem „3D-Drucker für Metall“ sucht, hat drei Möglichkeiten:

  1. Druckservice nutzen: Du lädst dein 3D-Modell hoch und bekommst das fertige Metallteil zugeschickt. Das ist der gängige Weg für Hobby und Kleinserien.
  2. Metall-Look-Filament: PLA oder PETG mit Metallpulver sieht metallisch aus und fühlt sich schwerer an, bleibt aber überwiegend Kunststoff. Gut für Deko, nicht für belastete Teile.
  3. Gussverfahren: Du druckst ein Modell aus Resin, das eine Gießerei als Form für den Metallguss nutzt. Das ist ein spezielles Verfahren und kein Anfänger-Projekt.

Wann lohnt ein Druckservice, wann der eigene Drucker?

Deine SituationEmpfehlung
Du willst Figuren, Halterungen und Ersatzteile aus KunststoffEigener FDM-Drucker – siehe Bestenliste 2026
Du brauchst hitzefeste Teile aus ABS, ASA oder PCGeschlossener Drucker, siehe 3D-Drucker für ABS, ASA und PC
Du brauchst sehr feine Details, zum Beispiel für MiniaturenResin-Drucker oder Service, siehe Resin vs. FDM
Du brauchst ein einzelnes MetallteilDruckservice für Metall
Du brauchst viele stabile Kunststoffteile mit komplexer FormDruckservice (SLS) im Vergleich zum Eigenkauf prüfen
Du bist am Anfang und weißt noch nicht, was du druckstStarte mit einem FDM-Drucker, siehe Der erste 3D-Drucker

Worauf du bei einem Druckservice achten solltest

Sechs Fragen für die Verfahrenswahl

  1. Material: Kunststoff oder Metall?
  2. Belastung: Wie viel Kraft muss das Teil aushalten?
  3. Temperatur: Wo und wie heiß wird es eingesetzt?
  4. Form: Gibt es Hohlräume, Überhänge oder bewegliche Teile?
  5. Nacharbeit: Muss das Teil noch bearbeitet oder lackiert werden?
  6. Gesamtkosten: Was kostet das fertige Teil inklusive Nacharbeit und Versand?

Wenn Kunststoff reicht und die Form einfach ist, ist FDM meist die günstigste Lösung. Für feine Details kommt Resin infrage, für Metall bleibt der Service.

Häufige Fragen zu SLS und SLM

Was ist der Unterschied zwischen SLS und SLM?

SLS verarbeitet Kunststoffpulver und verschmilzt es per Laser (sintern). SLM schmilzt Metallpulver vollständig auf. Beide arbeiten im Pulverbett Schicht für Schicht.

Ist ein SLM-Teil stabiler als ein SLS-Teil?

Metall ist grundsätzlich fester und hitzebeständiger als Kunststoff. Entscheidend ist aber das konkrete Material und die Nachbearbeitung. Für viele Anwendungen reicht ein SLS-Teil aus Nylon völlig aus.

Was ist DMLS?

DMLS steht für direktes Metall-Lasersintern und beschreibt ein sehr ähnliches Verfahren wie SLM. Die Begriffe werden je nach Hersteller unterschiedlich verwendet.

Kann ich SLS oder SLM zu Hause nutzen?

Nein. Die Geräte sind industriell und verlangen Schutzgas, Pulverhandling und Sicherheitsmaßnahmen. Für zu Hause nutzt du FDM oder Resin; SLS- und SLM-Teile bestellst du bei einem Druckservice.

Welches Verfahren ist für Prototypen am besten?

Für einfache Prototypen reicht FDM, für feine Details Resin. SLS eignet sich für belastbare Kunststoff-Prototypen mit komplexen Formen, SLM für funktionale Metallteile.

Quellen und Weiterführendes

Anregung für die Gliederung lieferte unter anderem ein englischsprachiger Ratgeber des Druckdienstleisters JLC3DP. Wir betreiben selbst keinen Druckservice; Beispielwerte zu Toleranzen und Wandstärken stammen von einem Dienstleister und sind keine allgemeingültigen Normen.